Wuppertal 2001:
Bericht über die Arbeit der AG
"Professionswissen als Forschungsgegenstand"
(Peter Faulstich)
Mit der Diskussion um Wiederentdeckung des Wissens in der Erwachsenenbildung
taucht auch die Frage nach professionellem Wissen und dessen empirischer Untersuchung
erneut auf. Nachdem lange Zeit der Prozess des Lernens im Vordergrund stand, treten
nunmehr seine Themen, als Aneignung von Wissen, wieder deutlicher hervor. Dies
gibt Anstoß, theoretische Bezüge und praktische Konsequenzen neu zu
überdenken. Dabei wird es notwendig, der gesellschaftlichen Bezugs- und Zielgrößen
zu vergewissern, auf die sich Erwachsenenbildung in ihren Leistungen bezieht.
Dazu bedarf es der Klärung von Inhalten des Lernens, d.h. der Relevanz von
Wissen für individuelle Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Perspektiven.
Probleme, die unter dem Aspekt von Anforderungs- und Bedarfsentwicklungen - bezogen
auf Begrifflichkeiten wie Qualifikation oder Kompetenz - diskutiert wurden, werden
nun unter der Devise Wissensaneignung, -verwendung und
-vermittlung in ein verändertes
Sprachspiel übersetzt. Auf einer reflexiven Ebene kommt dabei auch die Frage
nach dem Wissen, über welches die Akteure in der Erwachsenenbildung selbst
verfügen, ins Blickfeld. Es geht um Professionswissen des Personals in der
Erwachsenenbildung.
Dabei stößt man zunächst auf die Problematik, dass die unterlegten
Begriffe kaum hinreichend geklärt sind. Das Verhältnis von Lernen, Wissen
und Können war zwar immer schon Hintergrundfrage für Aneignungs- und
Vermittlungsprozesse, ihre Beziehung untereinander wurde aber kaum präzise
diskutiert. Wichtig wäre zunächst, die Begriffe Daten, Information und
Wissen auseinander zu halten. Dazu muss als erstes die physikalische Ebene von
Signalen getrennt werden von der symbolischen Ebene des Umgangs mit Zeichen. Zweitens
sind dann Daten nichts anderes als syntaktische Unterscheidungen von Zeichen.
Diese stellen für agierende Systeme erst dann Informationen dar, wenn sie
pragmatische Relevanz besitzen, d.h. sie unterliegen systemspezifischen Selektionskriterien.
Zu Wissen werden Informationen erst, wenn sie eingelagert werden in Bedeutungs-
und Verwendungsmuster und mit individuellem Sinn versehen. In diesem Verständnis
kann nach dem Fachwissen des Erwachsenenbildungspersonals gesucht werden.
Dies scheint zunächst klar, kommt aber schon in Unschärfen, wenn
"implizites" und "explizites" Wissen unterschieden werden.
Sobald man auf implizites Wissen rekurriert, dass den Personen nicht bewusst wird,
ist die Grenze zur Handlungsfähigkeit - also Können - kaum noch zu ziehen.
Zusätzlich gerät man in Schwierigkeiten, wenn zwischen wissenschaftlichem
und Erfahrungswissen zu unterscheiden ist. Erfahrungswissen ist gebunden an Personen,
an ihre Körperlichkeit. Unter der Hand verschwimmt der Begriff Wissen und
verschiebt sich in Richtung können.
Vor diesem Hintergrund ist es dann schwierig, Professionswissen im Verhältnis
zu andragogischem Handeln zu bestimmen. Es gibt ungeklärte methodologische
Probleme und theoretische Konzepte, welche konkurrierend nebeneinander stehen.
In der kognitivistischen Psychologie, der Expertiseforschung und in der pädagogischen
Professionsdiskussion sind unterschiedliche Modelle aktiviert worden, deren Tragfähigkeit
geprüft werden muss. Den unterschiedlichen Forschungsstrategien geht Sylvia
Rahn nach. Die methodologischen Probleme verschärfen sich, wenn es gilt spezifische
Aspekte des Kompetenzprofils des andragogischen Personals wie zum Beispiel "Medienkompetenz"
zu bestimmen, wie es Susanne Kraft unternimmt. Eine Möglichkeit, sich dem
Gegenstand zu nähern ist das zu untersuchen, was Professionelle selber als
ihr Wissen benennen. Mit Methoden der Konversationsanalyse fokussiert Sigrid Nolda
Problemsituationen, welche Routinen unterbrechen und so den Blick auf Auffälligkeiten
professionellen Handelns lenken: Muster von Programmplanungshandeln stehen im
Fokus der Analysen des beruflichen Alltags in der kirchlichen Erwachsenbildung,
welche Steffi Robak vorlegt. Vollends konfrontiert mit der Unschärfe des
Professionsfeldes wird man mit der Darstellung von Extremfällen bei "Intermediären"
von Brödel und Brehmer.
Hier wird besonders problematisch, dass das Professionsfeld selber unscharf
bestimmt ist, also darauf bezogenes Professionswissen ausfranst. Wenn man von
den "klassischen" Tätigkeitsmerkmalen wie Planen/Organisieren,
Unterrichten und Beratung weiter geht und Aktivitäten von "Netzwerken"
oder "Intermediären" einbezieht, wird der Zugriff auf relevante
Wissenselemente immer diffuser.
Insofern gibt es ein interessantes, aber problematisches Forschungsfeld, auf
das bisher nur einige Schlaglichter geworfen werden konnten. Es käme aber
darauf an, nicht angesichts der Schwierigkeit von empirischen Untersuchungen vorschnell
erneut weiterzugehen und sich immer wieder neuen Themen zu widmen.
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